Kostenlos ist nicht gleich kostenlos – die versteckten Bedingungen hinter Gratis-Girokonten

Das Wort "kostenlos" ist im Bankwesen eine Einladung, das Kleingedruckte zu lesen. Nicht weil Banken grundsätzlich lügen – sondern weil "kostenlos" fast immer unter Vorbehalt steht, und dieser Vorbehalt entscheidet darüber, ob ein Konto für dich wirklich kostenlos ist oder nicht.

Die gute Nachricht zuerst: Echte Nulltarif-Konten existieren. Es gibt Anbieter, die tatsächlich keine Grundgebühr verlangen, keine versteckten Transaktionskosten einbauen und eine vollwertige Debitkarte mitliefern. Wer die richtigen Konditionen kennt, findet Konten, die das halten, was sie versprechen. Aber der Weg dorthin führt durch einen Dschungel aus Bedingungen, Ausnahmen und Bedingungen zu den Ausnahmen – und wer nicht aufpasst, landet schneller beim kostenpflichtigen Konto als gedacht.

Die Mindestgeldeingang-Falle

Die verbreitetste Bedingung für kostenlose Girokonten ist der monatliche Mindestgeldeingang. Typische Schwellen liegen bei 700, 1.000 oder sogar 1.200 Euro netto pro Monat. Solange dieser Betrag regelmäßig eingeht – meist das Gehalt, die Rente oder Sozialleistungen – bleibt das Konto kostenlos. Fällt ein Monat aus oder liegt der Eingang darunter, schaltet die Bank automatisch auf die Gebührenversion um. Manchmal ohne Vorwarnung, manchmal mit einer kurzen Benachrichtigung im Postfach, die man übersieht.

Für Vollzeitangestellte mit stabilem Gehalt klingt das nach einem überschaubaren Risiko. Aber die Gruppe, für die das zum echten Problem wird, ist größer als man denkt: Studierende, die nebenbei jobben und unregelmäßige Eingänge haben. Selbstständige und Freelancer, bei denen Monate mit wenig Aufträgen keine Seltenheit sind. Menschen in Elternzeit, die vorübergehend weniger Elterngeld bekommen als ihr früheres Gehalt. Rentner mit kleinen Bezügen. Auch wer zwischen zwei Jobs wechselt und einen Monat Lücke hat, kann in diese Falle tappen.

Besonders tückisch: Manche Banken zählen nur externe Eingänge – Überweisungen vom eigenen Sparkonto oder Tagesgeldkonto desselben Instituts gelten nicht. Wer also sein Geld clever auf mehrere Konten verteilt und von einem Konto aufs andere überweist, hat unter Umständen trotz ausreichendem Vermögen die Bedingung nicht erfüllt.

Die Lösung ist einfach, aber erfordert ein bisschen Recherche: Es gibt Konten, die ohne jede Eingangsvoraussetzung dauerhaft kostenlos sind. Die ING beispielsweise hat ihre Mindesteingang-Bedingung inzwischen abgeschafft (Stand 2024). Andere Anbieter hatten sie nie. Wer gezielt danach sucht, findet sie – aber "kostenlos" in der Werbeanzeige allein reicht als Auswahlkriterium nicht.

Karten, Auslandsgebühren und der Teufel im Detail

Ein zweites Kostenfeld, das beim Vergleich oft untergeht: Was passiert außerhalb des deutschen SEPA-Raums? Viele Girokonten, die im Inland problemlos kostenlos laufen, werden im Ausland plötzlich teuer. Abhebungen am Geldautomaten im Nicht-Euro-Raum kosten schnell 1,75 bis 3 Prozent des Abhebungsbetrags – dazu kommt häufig eine Fixgebühr. Bei einer Reise mit mehreren Abhebungen kommen da 15 bis 30 Euro zusammen, die man beim Vertragsabschluss nicht auf dem Schirm hatte.

Wer regelmäßig reist, sollte deshalb nicht nur auf die Inlandskonditionen schauen. Neobanken wie Revolut oder Wise sind hier oft im Vorteil – sie sind auf internationalen Einsatz ausgelegt und bieten zumindest im Basismodell günstigere oder gar keine Auslandsgebühren. Klassische Direktbanken wie die DKB bieten beim Aktivkundenstatus kostenlose weltweite Abhebungen. Aber "kostenlos im Ausland" ist nicht selbstverständlich – und wer es nicht prüft, merkt es erst auf dem nächsten Kontoauszug nach dem Urlaub.

Ähnliches gilt für die Karte selbst. Manche Konten liefern im Basispaket nur eine Debitkarte ohne Kreditkartenfunktion. Wer Mietwagen buchen, Hotelzimmer reservieren oder online bei bestimmten Shops bezahlen will, braucht aber oft eine Kreditkarte – oder zumindest eine Karte mit Kreditkartennummer. Die gibt es entweder gegen Aufpreis oder als Upgrade auf ein kostenpflichtiges Paket. Das Konto war kostenlos, aber die notwendige Funktionserweiterung kostet 30 bis 60 Euro im Jahr. Und schon ist man wieder da, wo man nicht sein wollte.

Dann wären da noch Papierkontoauszüge. Klingt wie ein Randthema, ist es für einen Teil der Bevölkerung aber nicht. Wer keinen Drucker hat, kein Online-Banking mag oder aus anderen Gründen auf den postalischen Auszug angewiesen ist, zahlt dafür bei vielen Direktbanken 1 bis 2 Euro pro Sendung. Vier Auszüge im Jahr: 4 bis 8 Euro. Zwölf Auszüge: bis zu 24 Euro. Nicht katastrophal, aber eben auch nicht kostenlos.

Was "kostenlos" wirklich bedeuten sollte – und wie man es prüft

Ein Konto ist dann tatsächlich kostenlos, wenn die Gesamtkosten über ein Jahr – Grundgebühr, Transaktionsgebühren, Kartengebühr, Auslandskosten, Sonderleistungen – bei null liegen. Das klingt tautologisch, ist aber der einzige sinnvolle Maßstab. Werbebotschaften taugen dafür nicht.

Der praktische Prüfweg: Bevor du ein Konto eröffnest, schau dir das Preis- und Leistungsverzeichnis an – nicht die Produktseite, sondern das tatsächliche Dokument, das jede Bank veröffentlichen muss. Es ist meistens als PDF abrufbar, selten schön formatiert, aber vollständig. Drei Fragen reichen als Schnelltest: Gibt es eine Grundgebühr, und unter welchen Bedingungen fällt sie weg? Was kostet eine Abhebung im Ausland? Ist die Kreditkarte inklusive oder ein kostenpflichtiges Extra?

Wer diese drei Punkte für die eigene Lebenssituation beantwortet hat, kann fundiert entscheiden. Und kommt dabei manchmal zu dem Ergebnis, dass das beworbene "kostenlose" Konto für ihn persönlich gar nicht kostenlos ist – während ein anderes Konto, das auf den ersten Blick teurer wirkt, unter dem Strich günstiger kommt.

Das Wort "kostenlos" im girokonto eroeffnen Banking verdient Skepsis, keinen Argwohn. Die meisten Anbieter halten ihre Versprechen – für die Zielgruppe, auf die sie zugeschnitten sind. Die eigentliche Aufgabe ist herauszufinden, ob du zu dieser Zielgruppe gehörst. Und das geht nun mal nur mit dem Kleingedruckten in der Hand.